Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung. Die Krisenherde unserer Zeit und ihre historischen Wurzeln
AutorTariq Ali
VerlagDiederichs
FormatGebundene Ausgabe
Release01.01.2002
EAN9783720523240
ISBN0003720523241
KategorienPolitik & Geschichte
Beschreibung
"Die Ehre großer Völker ist nach ihrer Wohltätigkeit und Hilfe für Völker niedrigeren Ranges einzuschätzen -- oder aber überhaupt nicht." Diese Worte des englischen Philosophen Thomas Hobbes, von Tariq Ali unzweideutig an die Adresse der Vereinigten Staaten weitergeleitet, stehen nicht ohne Grund seinem Bericht über die historischen Entwicklungen, die in den Ereignissen des 11. September gipfelten, voran.

Tariq Ali wurde 1943 im pakistanischen Lahore geboren und lebt heute in London. Als Sohn einer gebildeten Familie, in der die institutionalisierte Religion des Islam als Anachronismus galt, zehrt er noch heute von der frühen politischen Erziehung durch seinen Hauslehrer, einen liberalen und aufgeklärten Geist. Zahllose Diskussionen über den Kampf gegen den einstigen britischen Imperialismus, die Ursprünge des Terrorismus in Bengalen und im Pundjab, wie auch über Gandhis unermessliche Bedeutung, bildeten das politische Wissensgerüst, das Ali heute prädestiniert erscheinen lässt, in diesem immens wichtigen Buch die wahren Gründe für den Zusammenprall der Kulturen beiden Seiten gleichermaßen vor Augen zu führen.

Der 11. September: kein Wendepunkt in der Weltgeschichte, vielmehr unvermeidliche Folge des imperialistischen Auftretens und der Hegemonialansprüche der USA -- als auch Ergebnis einer nie stattgefundenen Reformation innerhalb der arabischen Welt, die, jeglichen aufklärerischen Bildungsansatz und jede Meinungsvielfalt im Keim erstickend, im zähen Dogmensumpf erstarrte ("Warum steht auf der jährlichen Liste der Nobelpreisträger für Physik und Chemie kein einziger muslimischer Name?"). Tariq Ali malt die Schreckensvision eines Rückzugs beider Seiten auf eine archaische Stufe religiöser Symbolismen und Vorrechte, in der die Rache Allahs gegenüber den Vereinigten Staaten, ebenso ihr Pendant findet wie im gottbefohlenen "primitiven US-Rachefeldzug" gegen den Islam.

Am Ende seines langen historischen Abrisses über die Entstehung der Weltreligionen und die Entwicklung des Terrorismus folgt ein literarisches Glanzstück: "Brief an einen Muslim", geschrieben nach einem Erlebnis in Glasgow, bei dem Ali, von einem Muslim auf seine Gottesfürchtigkeit befragt, sich als Atheist bekannte, was bei seinem Gegenüber hellste Empörung auslöste. Dieser in der Folge verfasste Brief, Bekenntnis zur Aufklärung und Polemik zugleich, ist ein Empfehlungsschreiben an die gesamte islamische Welt, die -- ein frommer Wunsch -- in allen Koranschulen ans Schwarze Brett gehörte. --Ravi Unger

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