Die Erkundungsreisen des Gitarristen Bill Frisell in die Welt der Americana des 20. Jahrhunderts haben diesen zu vielen Orten geführt, aber die Filme des Stummfilm-Komikers Buster Keaton haben auf ihn eine besondere Anziehungskraft ausgeübt. Was an dieser "Hintergrund"-Musik so fasziniert ist Frisells Fähigkeit, die besondere Landschaft von Keatons Wildem Westen auferstehen zu lassen, dessen weite, offene Flächen und dazu sein Galgenhumor. Sein Kompositionsmaterial nähert sich dem Minimalismus. Einige wenige kurze Melodien kommen immer wieder vor, und das Bass-Motiv, das bei dem kurzen "Box Car" auftaucht, ist immer wieder zu hören, bei "Train", "Bullfight", "New Day" und "Cattle Drive", bis es die unaufhaltsame Bewegung einer Erzählung annimmt.
Beim Umgang mit diesen Materialien gelingt es Frisell, Anspielungen auf viele andere Musikstücke zu schaffen, (wie bei dem Blues "Card Game" und dem dissonanten, fast wie Flamenco klingenden "Ambush"), aber auch ebenso eine Palette von komplexen Emotionen. Seine zu dieser Zeit regelmäßigen Partner leisten entscheidende Beiträge: Kermit Driscoll liefert rockige Bass-Passagen, während Joey Barons kreativer Einsatz des Schlagzeugs dazu übergeht, Holzklötze zu benutzen, um Humor und Vorahnungen auszudrücken. Wie Keaton hat auch Frisell die Begabung, etwas Gängiges zu nehmen, sogar ein Klischee und dieses dann mit subtilen und manchmal verwirrenden Dimensionen zum Klingen zu bringen. Dadurch hat er eine Filmmusik geschaffen, die den Film bereichert, aber auch für sich alleine stehen kann. Wenn Sie eine weitere Keaton-Interpretation von Frisell interessiert, so probieren Sie es einmal mit dem kürzeren High Sign/One Week. --Stuart Broomer