Beim Hute meiner Mutter
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Die Kollektion Nagel & Kimche macht scheinbar vergessene Texte wieder zugänglich. Nach Gottfried Keller nun Adelheid Duvanel -- das ehrt die Autorin und den Verlag gleichermaßen. Wie Peter von Matt in seinem Nachwort ganz richtig feststellt, ist die Kunst Duvanels eine einzigartige. "Was heute so viele Talente ins Abseits und zu unnötigem Scheitern führt, die Verlockung, auch mal einen Roman zu schreiben, auch mal ein Theaterstück, auch mal ein Hörspiel oder einen Krimi oder ein paar Kolumnen, scheint Adelheid Duvanel nie auch nur gestreift zu haben." Und das ist gut so, denn diese kurzen Erzählungen sind von einer Dichte und Raffinesse, die einen staunend zurücklassen. Kein Wort zu viel, aber auch keins zu wenig, und jedes Wort sitzt und stimmt. Dabei begibt sich Adelheid Duvanel in Sphären zwischen Traum, Delirium und Realität, dies aber mit einer Selbstverständlichkeit und Prägnanz, die einen frieren lässt. Und dabei bleibt sie so nah am Menschen, dass selbst die ungewohntesten Bilder, die sie mit Worten zeichnet, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Wieso nur, denkt man sich beim Lesen, habe ich das nie so gesehen? Die vorliegende Sammlung der 1996 verstorbene Autorin -- sie ist mitten im Sommer im Wald erfroren -- ist ein guter Grund, Adelheid Duvanel neu zu entdecken. Gewünscht hätte man sich noch ein paar editorische Hinweise zu den hier publizierten Texten. --Martin Walker