Richard Gere benutzt einen fehlerhaften Thriller als Podium, um sich als freimütiger Kritiker Chinas, frommer Anhänger des Dalai Lama und einflussreicher Verfechter der Freiheit Tibets Gehör zu verschaffen. Er begibt sich damit auf das Niveau des propagandistischen Dramas, um eine schwerfällige Botschaft zu verkünden. Anders ausgedrückt: Red Corner verlässt sich auf eine dubiose Strategie, um politisches Bewusstsein beim Zuschauer zu fördern, aber Regisseur Jon Avnet appelliert mit solch wirkungsvoller Dringlichkeit an die Empörung des Publikums, dass es vermutlich gar nicht merkt, dass es schamlos manipuliert wird.
Gere spielt einen geknechteten Fernsehmanager, der TV-Shows auf dem internationalen Markt verkauft. Während eines Aufenthalts in China wird er zu Unrecht des Mordes an der sehr attraktiven Tochter eines hohen chinesischen Regierungsbeamten beschuldigt. Gefangen in einem Rechtssystem, in dem es geradezu unmöglich scheint, seine Unschuld zu beweisen, muss sich Gere auf eine von den Chinesen ernannte Anwältin (gespielt von Bai Ling) verlassen, die ihm zunächst rät, sich schuldig zu bekennen. Erst allmählich ist sie davon überzeugt, dass an der Sache etwas faul ist.
Red Corner bemüht sich kaum, seine Absicht zu verheimlichen, und bereitet wirkungsvoll die Bühne für reichlich antichinesische Ressentiments. Und der Film kommt mit seiner Geschichte über ein fehlgeschlagenes Rechtssystem zweifellos mächtig in Gang. Ein ernstes, höchst spannendes Gerichtsdrama mit edlen Absichten. Aber musste es unbedingt so unverhohlen aufdringlich sein? --Jeff Shannon